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ALPHA - Artikel
Fitness (fast) zum Nulltarif
Bewegung am Arbeitsplatz
Der moderne Arbeitsmensch sitzt. Er sitzt am Arbeitsplatz, am Konferenztisch, in der Cafeteria und vernachlässigt dabei Körper und Gesundheit. Möglichkeiten zur Bewegung gibt es viele. Mitarbeitende müssen nur wollen. Vorgesetzte müssen die Bedingungen dafür schaffen.
Von Fritz Bebie, bebie@bluewin.ch, 28.05.2005

Die Einsicht, dass viel Bewegung für Fitness und Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung ist, hat sich mittlerweile in breiten Kreisen durchgesetzt. Allerdings wird körperliche Betätigung als Freizeitaktivität betrachtet, die im Büroalltag keinen Platz findet. Das ist eine verpasste Chance. Denn regelmässige Bewegung am Arbeitsplatz fördert Gesundheit und Fitness nachhaltiger als manche Trainingsprogramme. Mitarbeitende, die sich am Arbeitsplatz bewegen können, sind erwiesenermassen motivierter, weniger krank, neigen weniger zu Fettleibigkeit und klagen weniger über Rückenschmerzen. Das schlägt sich auch in der Performance des Unternehmens und den Personalkosten nieder. Die Sicherstellung von Bewegungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz ist also nicht einfach eine soziale Geste wohlmeinender Chefs, sondern ein harter Faktor, der sich auch auf den Unternehmenserfolg auswirkt.
 
Nutzen wissenschaftlich belegt
Eine vor kurzer Zeit durchgeführte Studie der Mayo Klinik in Rochester (USA) unterstreicht die Bedeutung der Bewegung im Alltag im Hinblick auf Körpergewicht und Fettleibigkeit. Die Ärzte verfolgten Körperhaltung und Bewegungsmuster von zehn korpulenten und zehn schlanken Personen, die sich selber als «Couch Potatoes», oder - auf gut Deutsch - als Faulenzer bezeichnen. Es zeigte sich, dass die Gruppe der schlanken Personen täglich rund zwei Stunden mehr in Bewegung waren als die korpulenten Teilnehmer. So verbrannten sie während der Arbeitszeit zusätzlich 350 Kalorien pro Tag ohne jedes strukturierte Fitnesstraining.
 
Spontanes Bewegen ermöglichen
Woran liegt es, dass die Bewegung am Arbeitsplatz zu kurz kommt? Ist es die Bequemlichkeit der Mitarbeitenden, die auf ihren Bürosesseln festzukleben scheinen? Sind es die räumlichen und organisatorischen Verhältnisse, die Bewegung kaum zulassen? Wahrscheinlich spielen all diese Ursachen zusammen. Tatsache ist, dass Bewegung am Arbeitsplatz nicht einfach verordnet oder wie ein neuer Geschäftsprozess implementiert werden kann. Vielmehr gilt es, die Mitarbeitenden für das Thema Bewegung am Arbeitsplatz zu sensibilisieren und auf verschiedenen Ebenen die Voraussetzungen zu schaffen, die spontanes, ungeplantes Bewegen ermöglichen und fördern. Regelmässiges Treppensteigen verbrennt erstaunlich viele Kalorien. Ein freundlich gestaltetes, helles und gut belüftetes Treppenhaus lädt dazu ein, der Verlockung des Lifts zu widerstehen, und dafür ein wenig den Puls auf Touren zu bringen. Eine Bilder- oder Fotogalerie mit wechselnden Motiven steigert die Bereitschaft, die Treppen zu benutzen. Was nicht gerade in unmittelbarer Reichweite liegt, muss geholt werden. Es schadet nichts, wenn Trinkwasser und andere Erfrischungen zentral und in einer gewissen Entfernung von den Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellt werden. Jeder Schritt, den man zusätzlich machen darf, ist gesund. Wenn Mitarbeitende über Rückenschmerzen klagen, ist fast immer Bewegungsmangel im Spiel. Bewegung bedeutet Entspannung für den Rücken. Auch die Bewegung im Sitzen muss gewährleistet sein. Nur wer dynamisch sitzt, sitzt Rücken schonend. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Bürosessel und die Höhe der Arbeitsflächen individuell korrekt eingestellt sind.
 
Ansatzpunkt Führung
Bewegung am Arbeitsplatz beginnt in der Chefetage. Nur was aktiv vorgelebt wird, kann auch nachgelebt werden. Wenn die Führungskräfte im Treppenhaus anzutreffen sind, muss man sich beinahe schämen, wenn man den Lift benutzt. Moderne Telefone erlauben es, zum Telefonieren aufzustehen und ein paar Schritte zu machen. Und manche Besprechung kann sehr gut an einem Stehpult oder bei einem Spaziergang durchgeführt werden. Ideal ist eine Arbeitsweise mit einem Mix aus Sitzen, Stehen und Gehen.
 
Ansatzpunkt Instruktion
Viele Menschen haben es ganz einfach verlernt, sich richtig zu bewegen, oder wissen nicht, dass es einfache Bewegungs- und Entspannungsübungen gibt, die während der Arbeit am Arbeitsplatz ausgeführt werden können. Immer mehr Unternehmen, die den Nutzen der Bewegung am Arbeitsplatz erkannt haben, greifen auf externe Spezialis-ten zurück und führen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter strukturierte und speziell für das Unternehmen zusammengestellte Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung durch.
 
Ansatzpunkt Ganzheitlichkeit
Fitness und Wohlbefinden entsteht aus dem Zusammenspiel von Herz- und Kreislaufprophylaxe, Bewegung von morgens bis abends einschliesslich der Zeit am Arbeitsplatz, rückengerechtes Verhalten, Kräftigung durch moderates Training, eine gesunde Ernährung sowie Entspannung und Erholung. Bewegung am Arbeitsplatz ist keine Allerwelts-Heilslehre. Sie ist ganz einfach ein pragmatisches Mittel, um in einem anspruchsvollen und herausfordernden Arbeitsumfeld mit gesunden, fitten Mitarbeitenden mehr zu erreichen.
 
(*) Fritz Bebie ist eidg. dipl. Turn- und Sportlehrer und arbeitet als selbständiger Fitnesstrainer und -berater für Individualpersonen und Unternehmen. (www.personal-training.ch, bebie@bluewin.ch)

Bewegung ist Lebensqualität
* Bewegungsmangel ist Risikofaktor Nr. 1 und führt neben anderen Ursachen zu einer akute Gefährdung des Herz- und Kreislaufsystems.
* Bewegung im Alltag wirkt gegen Übergewicht, Diabetes, hohen Blutdruck und Stress und vermindert das Auftreten von Rückenschmerzen.
* Bewegung kann nicht delegiert werden. Sie liegt in der Verantwortung jedes einzelnen. Bewegung am Arbeitsplatz kann gefördert werden.
* Mitarbeitende, die sich ausreichend bewegen, sind auch geistig beweglicher, motivierter und leistungsfähiger.