Die Einsicht, dass viel Bewegung für
Fitness und Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung ist, hat sich
mittlerweile in breiten Kreisen durchgesetzt. Allerdings wird
körperliche Betätigung als Freizeitaktivität betrachtet, die im
Büroalltag keinen Platz findet. Das ist eine verpasste Chance. Denn
regelmässige Bewegung am Arbeitsplatz fördert Gesundheit und Fitness
nachhaltiger als manche Trainingsprogramme. Mitarbeitende, die sich am
Arbeitsplatz bewegen können, sind erwiesenermassen motivierter, weniger
krank, neigen weniger zu Fettleibigkeit und klagen weniger über
Rückenschmerzen. Das schlägt sich auch in der Performance des
Unternehmens und den Personalkosten nieder. Die Sicherstellung von
Bewegungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz ist also nicht einfach eine
soziale Geste wohlmeinender Chefs, sondern ein harter Faktor, der sich
auch auf den Unternehmenserfolg auswirkt.
Nutzen wissenschaftlich belegt
Eine vor kurzer Zeit durchgeführte Studie
der Mayo Klinik in Rochester (USA) unterstreicht die Bedeutung der
Bewegung im Alltag im Hinblick auf Körpergewicht und Fettleibigkeit.
Die Ärzte verfolgten Körperhaltung und Bewegungsmuster von zehn
korpulenten und zehn schlanken Personen, die sich selber als «Couch
Potatoes», oder - auf gut Deutsch - als Faulenzer bezeichnen. Es zeigte
sich, dass die Gruppe der schlanken Personen täglich rund zwei Stunden
mehr in Bewegung waren als die korpulenten Teilnehmer. So verbrannten
sie während der Arbeitszeit zusätzlich 350 Kalorien pro Tag ohne jedes
strukturierte Fitnesstraining.
Spontanes Bewegen ermöglichen
Woran liegt es, dass die Bewegung am
Arbeitsplatz zu kurz kommt? Ist es die Bequemlichkeit der
Mitarbeitenden, die auf ihren Bürosesseln festzukleben scheinen? Sind
es die räumlichen und organisatorischen Verhältnisse, die Bewegung kaum
zulassen? Wahrscheinlich spielen all diese Ursachen zusammen. Tatsache
ist, dass Bewegung am Arbeitsplatz nicht einfach verordnet oder wie ein
neuer Geschäftsprozess implementiert werden kann. Vielmehr gilt es, die
Mitarbeitenden für das Thema Bewegung am Arbeitsplatz zu
sensibilisieren und auf verschiedenen Ebenen die Voraussetzungen zu
schaffen, die spontanes, ungeplantes Bewegen ermöglichen und fördern.
Regelmässiges Treppensteigen verbrennt erstaunlich viele Kalorien. Ein
freundlich gestaltetes, helles und gut belüftetes Treppenhaus lädt dazu
ein, der Verlockung des Lifts zu widerstehen, und dafür ein wenig den
Puls auf Touren zu bringen. Eine Bilder- oder Fotogalerie mit
wechselnden Motiven steigert die Bereitschaft, die Treppen zu benutzen.
Was nicht gerade in unmittelbarer Reichweite liegt, muss geholt werden.
Es schadet nichts, wenn Trinkwasser und andere Erfrischungen zentral
und in einer gewissen Entfernung von den Arbeitsplätzen zur Verfügung
gestellt werden. Jeder Schritt, den man zusätzlich machen darf, ist
gesund. Wenn Mitarbeitende über Rückenschmerzen klagen, ist fast immer
Bewegungsmangel im Spiel. Bewegung bedeutet Entspannung für den Rücken.
Auch die Bewegung im Sitzen muss gewährleistet sein. Nur wer dynamisch
sitzt, sitzt Rücken schonend. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass
Bürosessel und die Höhe der Arbeitsflächen individuell korrekt
eingestellt sind.
Ansatzpunkt Führung
Bewegung am Arbeitsplatz beginnt in der
Chefetage. Nur was aktiv vorgelebt wird, kann auch nachgelebt werden.
Wenn die Führungskräfte im Treppenhaus anzutreffen sind, muss man sich
beinahe schämen, wenn man den Lift benutzt. Moderne Telefone erlauben
es, zum Telefonieren aufzustehen und ein paar Schritte zu machen. Und
manche Besprechung kann sehr gut an einem Stehpult oder bei einem
Spaziergang durchgeführt werden. Ideal ist eine Arbeitsweise mit einem
Mix aus Sitzen, Stehen und Gehen.
Ansatzpunkt Instruktion
Viele Menschen haben es ganz einfach
verlernt, sich richtig zu bewegen, oder wissen nicht, dass es einfache
Bewegungs- und Entspannungsübungen gibt, die während der Arbeit am
Arbeitsplatz ausgeführt werden können. Immer mehr Unternehmen, die den
Nutzen der Bewegung am Arbeitsplatz erkannt haben, greifen auf externe
Spezialis-ten zurück und führen für ihre Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter strukturierte und speziell für das Unternehmen
zusammengestellte Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung
durch.
Ansatzpunkt Ganzheitlichkeit
Fitness und Wohlbefinden entsteht aus dem
Zusammenspiel von Herz- und Kreislaufprophylaxe, Bewegung von morgens
bis abends einschliesslich der Zeit am Arbeitsplatz, rückengerechtes
Verhalten, Kräftigung durch moderates Training, eine gesunde Ernährung
sowie Entspannung und Erholung. Bewegung am Arbeitsplatz ist keine
Allerwelts-Heilslehre. Sie ist ganz einfach ein pragmatisches Mittel,
um in einem anspruchsvollen und herausfordernden Arbeitsumfeld mit
gesunden, fitten Mitarbeitenden mehr zu erreichen.
(*) Fritz Bebie ist eidg. dipl. Turn- und
Sportlehrer und arbeitet als selbständiger Fitnesstrainer und -berater
für Individualpersonen und Unternehmen. (www.personal-training.ch,
bebie@bluewin.ch)
Bewegung ist Lebensqualität
* Bewegungsmangel ist Risikofaktor Nr. 1
und führt neben anderen Ursachen zu einer akute Gefährdung des Herz-
und Kreislaufsystems.
* Bewegung im Alltag wirkt gegen
Übergewicht, Diabetes, hohen Blutdruck und Stress und vermindert das
Auftreten von Rückenschmerzen.
* Bewegung kann nicht delegiert werden. Sie
liegt in der Verantwortung jedes einzelnen. Bewegung am Arbeitsplatz
kann gefördert werden.
* Mitarbeitende, die sich ausreichend bewegen, sind auch geistig beweglicher, motivierter und leistungsfähiger. |